CHITIN - Abfallprodukt
oder Alleskönner

Vor etwa 600 Millionen Jahren bauten die ersten Krebstiere das erste Chitin in ihre festen Gehäuse ein.
Dieses Riesenmolekül - ein Polysaccharin aus vielen miteinander verbundenen stickstoffhaltigen Zuckerbausteinen, war schon in Pilzen im Präkambium enthalten. Also vor mehr als 1 Milliarde Jahre. Alle Gliedertiere, so auch Insekten und Spinnen benutzen diesen leichten und stabilen Stoff.
Schliesslich erkannte auch der Mensch die unglaubliche Vielseitigkeit von Chitin. Zum Beispiel Medizin: den nordamerikanischen Indianern war bereits die heilende Wirkung von zerriebenen Krebstierschalen auf Wunden bekannt.
Heute werden Ersatzhäute aus Chitin bei Verbrennungen benutzt. Diese zweite neue Haut wird nicht abgestossen, sondern körpereigene Enzyme lösen sie auf. Dieser Vorgang entlässt schmerzstillende und entzündungshemmende Stoffe.
Die Zuckerbausteine des Chitins hemmen das Wachstum von Pilzen, Bakterien und Würmern. Daher lässt sich Chitin auch als Stickstoffdünger mit Pestizidwirkung einsetzen, reinigt Abwässer, pflegt Haut und Haare und macht verderbliche Ware lagerfähig.
Erst mit der Zeit bemerkte die Industrie das enorme Potenzial von Tierrüstungen. Bis dahin wurden sie vorwiegend zu Tierfutter verarbeitet.
Pures Chitin ist farb- und geruchlos und in den meisten Flüssigkeiten nicht löslich. Für die Fertigung von Gelen, Folien, Fasern und Membranen wird der Kalk mittels Säuren gelöst. So entsteht Chitosan.
Aus dem neutralen Chitin ist eine Art Magnet geworden; stark positiv geladen. (Polykation). Hiermit lassen sich negativ geladene Stoffe aus Lösungen extrahieren.
Man kann es als Blutfettlöser benutzen - also dem Herzinfarkt vorbeugen. Mit Schwermetallen belastetes Wasser kann gereinigt werden. Chitosan bindet die Metalle wie mit Saugnäpfen an sich und kann so leicht ausgefiltert werden. Im Gegensatz zu bisherigen Flockungsmitteln ist dieses nicht toxisch und biologisch abbaubar.
Die Gewinnung der nachwachsenden Ressource ist aufwendig; die chemische Synthese noch mehr. Um den stetig wachsenden Bedarf besonders in Medizin und Pharmazie zu decken, sollen zum Teil die gewaltigen Krillmengen genutzt werden. Ganz besonders auch Pilzkulturen. In Japan gibt es diesbezüglich bereits einen eigenen Industriezweig.
Seit Sommer 2000 gibt es auch in Deutschland eine Anlage, die im Jahr 16.000 Tonnen Chitosan herstellen soll.
Gelöstes Chitosan macht auch Schleimhäute durchlässiger. So manches Medikament könnte auf diesem Wege in den Körper gelangen.

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