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Alleskönner In meinem AQ Tagebuch
Lebensraum
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Rote Mangrovenkrabben leben in losen Gruppen zusammen. Das territoriale Verhalten ist bei den Männchen deutlicher ausgeprägt. Paarungen können einerseits ohne feste Bindung zueinander geschehen aber Mangrovenkrabben gehen jedoch auch direkte und längere Paarbindungen ein, die sehr intensiv sein können. Unter Umständen kann es bei drei Krabben vorkommen, dass das Weibchen ohne Partner gelegentlich attackiert wird oder es wird aus seiner Wohnhöhle vertrieben. Im schlimmsten Fall wurde das Weibchen getötet, wenn sie dem männlichen Tier und seiner Partnerin auf der Suche nach Kontakt zu häufig zu nahe kam. Auch von einigen anderen Krabbenhaltern mit drei Tieren wurden gelegentlich ähnliche Beobachtungen gemacht.
Fühlen sich die Tiere wohl und dadurch sicher, kommen derlei Verhaltensmuster kaum vor. Mangrovenkrabben paaren sich durchaus auch am Tage ohne Deckung. Je nach Charakteren der Beteiligten kann es auch zu einem vielfältigen Werbungsverhalten mit intensiver ZUrschaustellung der eigenen Qualitäten sowie zum Austausch von Zärtlichkeiten kommen . Grundsätzlich herrscht Damenwahl. Das bedeutet zum einen, interessierte Männchen werbn intensiv, wobei die Grösse der Angebteten kaum eine Rolle spielt, andererseits kann das auch bedeuten, dass sich ein grosses Weibchen ein kleineres Männchen einfach nimmt - ob es ihm nun passt oder nicht. 

Neben der komplexen Sprache mittels Gesten und Klopfzeichen wird auch regelmässig die Chemie zu Hilfe genommen. Offenbar sind die Ausscheidungen in Form von ovalen Klümpchen Träger vielfältiger Informationen. So bemüht sich der Werbende , egal ob Mann oder Frau, in der ersten Phase intensiv um eine Platzierung der braunen Pakete am Körper des/der Angebeteten. Das kann auch mal im wahrsten Sinne das Wortes ins Auge gehen, was natürlich ganz besonders die Aufmerksamkeit erregt. Die /der EmpfängerIn untersucht zunächst intensiv die meist unmissverständliche Nachricht . Oft wiederholt und ist die Leidenschaft gross, kann es untereinander zu einer regelrechten Klümpchenklebeaktion ausarten; eine Art Kissenschlacht in Zeitlupe. Aber offenbar nicht weniger aufregend.

Die Geschlechtsöffnungen der Weibchen liegen innerhalb der Bauchklappe wie zwei kleine Augen links und rechts jeweils neben der vertikalen Vertiefung in der Nähe des dritten Beinpaares. Die Klappe muss also für die Paarung geöffnet werden. Die Bauchklappe der Männchen ist ebenfalls beweglich. Sie birgt an ihrem Ansatz zwei Begattungsorgane, die Borstenbüschel am Ende haben.( siehe Mikroskopische Bilder)
Zum eigentlichen Akt legt sich einer der Partner auf den Rücken und der andere sitzt oben drauf. Das Männchen öffnet etwas seine Bauchklappe, um so seine beiden Begattungsorgane zum Einsatz bringen zu können und beide pressen den unteren Teil ihrer Körper aneinander. Beide fingern sich nun gegenseitig mit den Scheren am Kopf herum.

Wobei mir der Atem stockte, als ich Amys winzige Augenstiele zwischen Hannibals Riesenscheren sah. Doch er war unendlich zart und geschickt. Auch ihre wesentlich kleineren Scheren wanderten greifend durch sein Gesicht.
Dann beginnen beide gleichzeitig, die mittleren Gehbeine zu bewegen und sich leicht gegenseitig zu betrommeln. Das Signal für das Ende ? Denn nun trennen sich die beiden wieder und das ganze hat gut 5 Minuten gedauert.
Das Weibchen taucht sofort ab in die Höhle, während Hannibal noch einige Zeit in derselben Stellung mit leicht geöffneter Bauchklappe sitzen bleibt.
Schon ein bis drei Tage später trägt das Weibchen dann Eier, wobei die Anzahl von ihrem allgemeinen Gesundheitszustand abhängt.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Paarung keine Häutung des Weibchens vorangehen muss, wie es oft bei anderen Zehnfusskrebsen der Fall ist.
Je näher der Termin der Eiabgabe rückt, desto mehr zieht sich die 'werdende Mutter' zurück.

FlGraeggs

Wilhelmine bei Florian Granel:
Die Farbe der Eier wechselt von rötlich zu braun /grau. Hier gut erkennbar einige der länglich weisslichen Eiaufhängungen, die innerlich an der Bauchklappe angebracht sind.Die wachsende Eimasse öffnet die Klappe und drängen die Befestigungen nach aussen.

Hannibal schien ihr einen gewissen Schutz zu bieten, wenn sie dann tagelang in der Erde sass. Er sass dann direkt über der Eingangsöffnung und jeder, er zu nahe kam, wurde bedroht oder vertrieben.
Übrigens machte ich wiederholt Beobachtungen, dass Männchen den Weibchen, die ihren Nachwuchs tragen,bei vermeintlicher Gefahr zu HIlfe eilen und sich mutig dazwischenwerfen.Nach etwa drei Wochen werden die kleinen Larven ins Wasser abgegeben, doch da ich zu der Zeit keine Möglichkeit hatte, die Kleinen aufzuziehen, ist die Quelle dieser Informationen ein Buch,wo Infos über Mangrovenkrabben zu finden sind: Und zwar:
Hans Gonella: 'Krebse, Krabben und Garnelen im Süsswasseraquarium'
Der Autor Daniel Meier beschreibt hier ausführlich die Entwicklung und Haltung von SESARMA BIDENS vom Ei bis zur fertigen Krabbe.
Das Ganze ist mit aufschlussreichen Fotos aus den verschiedenen Stadien der Jungtiere illustriert.

Mittlerweile wurden auch in Finnland Mangrovenkrabben nachgezüchtet und eine detaillierte Beschreibung findet Ihr über die Linksammlung. Der Bericht ist zunächst in finnisch und englisch mit umwerfenden Fotos.

Die Eier trägt das Weibchen gut geschützt in ihrem Brutraum unter dem Bauch. Sie werden sorgsam gepflegt und geschützt.In den drei Wochen Tragzeit wechselt die Farbe der winzigen Eier von Rotbraun zu grau.

Schlüpfen dann die 0,5mm grossen Larven zu Tausenden, sollte ein vorher bereitetes und eingefahrenes AUFZUCHTBECKEN zur Verfügung stehen. Die Larven sind in Süsswasser nicht lebensfähig ; sie sterben darin bereits nach wenigen Stunden. Bei einer konstanten Temperatur von 26°C benötigt das Wasser 1EL Meersalz pro Liter . Eine schwache Belüftung mit grossen Blasen und eine 12stündige Beleuchtung sind ebenfalls notwendig. Als Kinderstube eignet sich laut Autor ein kleines Aquarium (30 X 30). Er empfiehlt eine grössere Höhe von etwa 75cm, da er den Eindruck hat, dass eine hohe Wassersäule sich positiv auf die Kleinen auswirkt.

Die frischgeschlüpften farblosen Winzlinge sind zuerst sog. ZOEA-Larven. Das ist das erste von insgesamt drei Entwicklungsstadien, die die jungen Krabben durchleben. Nach etwa 10 Tagen häuten sie sich zu MEGALOPA-Larven. Mit der Häutung nach insgesamt 3-4 Wochen nehmen die Jungen ihre endgültige Krabbenform an und wachsen weiter. Mithilfe eines Schlauches kann die Brut abgesaugt und in das vorbereitete Aufzuchtbecken gegeben werden. Die 0,5 mm grossen bzw. kleinen Zoea-Larven bewegen sich schnell kugelnd durch das Wasser . Ihr Hinterleib ( der Abdomen ) reicht ähnlich wie bei einer Stechmückenlarve weit nach hinten ,wird aber meist rund unter dem Körper getragen . Durch einen mächtigen Rückenstachel und einen dornigen Stirnfortsatz sind die Larven ausreichend vor dem Appetit Anderer geschützt.

FÜTTERUNG DER KRABBENLARVEN
Die Kleinen fressen wohl hauptsächlich Artemien. Obwohl die Krabbenlarven kleiner sind, überwältigen sie die frischgeschlüpften Salzkrebschen, die täglich gefüttert werden. Dieses Lebendfutter kann durch die Gabe von Artemia - Aufzuchtsfutter und einzelligen Algen gut vermehrt werden.
Rädertierchen mögen die zukünftigen Krabben auch sehr gern.

WACHSTUM
Das Larvenstadium ist nach insgesamt etwa 23 Tagen beendet. Drei Tage nach dem Schlupf findet die erste Häutung der Zoea- Larven statt. Sie wachsen mit jeder weiteren Häutung, die weiterhin alle drei Tage passiert. Jedoch ist das Entwicklungstempo der einzelnen Tiere verschieden.

Nach gut 10 Tagen erfolgt eine besonders schwierige Häutung, die die meisten nicht überleben:
Die Wandlung von der Zoea-Larve zur Megalopa-Larve.
Jetzt haben die Krabbenkinder bereits Scheren. Sie neigen stark zu Kannibalismus. Speziell gegen Geschwister, die noch Zoea-Larven sind. Die dadurch verursachten Verluste sind recht hoch.
Die kleinen Krustentiere häuten sich weiter und wachsen. Sie sind jetzt öfter am Boden zu finden. Sie sehen sie kleinen Krabben schon recht ähnlich, doch dieses Stadium erreichen sie erst mit der Häutung nach 23 Tagen; Nachzügler können bis zu 50 Tage brauchen.
Danach sind sie echte Jungkrabben, etwa 1mm gross und bevorzugen nun wie die Erwachsenen das Leben am Boden.
Da auch diese Häutung sehr schwierig ist, gibt es wieder unzählige Todesfälle.
Die weiteren Häutungen finden nun alle 10 Tage statt. Doch je grösser die Tiere werden, desto länger werden die Abstände.
Die ersten Jungkrabben erforschen zunehmend das Land. Jetzt das Becken gut abdichten! Bisher haben sich aus Tausenden von Larven gut 400 winzige Krabben entwickelt. Letztendlich werden ungefähr 300 das Erwachsenenalter erreichen.

Jetzt ist es an der Zeit, den Teenies auch gehackte Mückenlarven und Trockenfutter anzubieten. Da empfiehlt es sich, den Wasserwechsel wöchentlich vorzunehmen von etwa 10%. Nun kann es ruhig ein wenig 'aussüssen'
Als Restevertilgter eignen sich Turmdeckelschnecken, die im brackigen Wasser gut zurechtkommen.
Nach ca 10 Wochen haben rund 300 Jungkrabben einen Panzerdurchmesser von 1-4mm erreicht. Sie fressen zunehmend ihre Artgenossen. Sie sollten daher in ein grösseres Becken (90X65) umziehen. Hier nur noch 1EL Meersalz auf 10Liter Wasser.

Die kleinen Krabben sind nun schon anspruchsvoller: sie brauchen genügend Wurzeln zum Abweiden, als Verstecke und für Landgänge.
Die Männchen wachsen am schnellsten und sie sind aggressiver. Wenn möglich, diese Tiere in ein weiteres Becken umsetzen, damit ihre Geschwister ungestörter aufwachsen können.
Bei guter Fütterung sind die jungen Krabben nach etwa 7 Monaten und die grössten Tiere mit einer Panzerbreite von 13mm geschlechtsreif. Einige Weibchen tragen ihre ersten noch relativ kleinen Eierpakete.

 
© by Annette Berkelmann
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