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Wie die meisten Krabben sind Rote Mangrovenkrabben getrennt geschlechtlich.
Im Alter von etwa 5 Monaten und einer Panzerbreite von 12 - 15 Millimetern sind die Tiere geschlechtsreif.
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist das bewegliche Segment unter dem Bauch. Es bildet sich durch das umgeklappte Abdomen, dass bei Garnelen und Krebsen das Hintere teil bildet.
An den Scheren lässt sich das Geschlecht zwar auch erkennen, doch bei noch sehr jungen Tieren sind die Unterschiede noch nicht so sehr ausgeprägt und mensch kann sich schon mal irren.

Weibchen mit grossen Scheeren

Kela als typisches Beispiel für einen Scherenirrtum.
Ich hatte ein Männchen bestellt und erhielt eine weibliche Krabbe. Ihre Scheren sind relativ rund, sie sehen denen der Männchen in diesem Alter sehr ähnlich

Und hat man plötzlich zu viele Männchen in dem zur Verfügung stehenden Raum, werden die Roten Ritter das kompromisslos unter sich ausmachen. Das kann das jähe Lebensende des/der Unterlegenen bedeuten. Es lohnt sich also, einen Blick auf die Unterseite zu werfen, auch wenn es manchmal vielleicht etwas aufwändiger ist.
Besonders bei noch jungen Krabben ist Aufmerksamkeit geboten.
Denn einige der jungen Damen tragen einen dunklen Streifen senkrecht und mittig das Bauchsegment hinunter. Beim ungeübten und/oder flüchtigen Blick kann auch diese Erscheinung zu Verwechslungen führen.
Gelegentlich tauchen auch noch nicht geschlechtsreife Weibchen im Handel auf. Ihr zukünftiger Brutraum ist noch nicht voll entwickelt. ER wirkt zwar ebenfalls halbrund, doch reicht es nicht bis an die Beinansätze heran und kann wie ein MIttelding zwischen männlich und weiblich wirken.
Bei den hier abgebildeten Körpern handelt es sich um abgestreifte Hüllen, sog. Exuvien.

 

 
mänliche Exuvie nach dem Häuten weibliche Exuvie nach dem Häuten  
   
 

 

GESCHLECHTSSPEZIFISCHES VERHALTEN
Bei Krabben erkennt man hauptsächlich das Geschlecht rein äusserlich wie schon gesagt an der unterschiedlich geformten Unterseite, sowie der Ausprägung der Scheren, die bei den männlichen Tieren massiger ausfallen.
Bei jüngeren Tieren ist die typische Form der Scheren noch nicht so ausgeprägt, so dass das wichtigste Unterscheidungsmerkmal das Bauchsegment ist. Bei genauerem Hinsehen , besonders auch über einen längeren Zeitraum sind jedoch auch Unterschiede im Verhalten zu bemerken, welches dann zusätzlich noch durch das jeweilige Temperament des Tieres geprägt wird.
Männliche Krabben bewohnen Territorien. Dieses schliesst ihre Lieblingshöhle an Land ("Allerheiligstes") ebenso mit ein wie mindestens ein Versteck unter Wasser. Alles wird gegen Eindringlinge aller Art verteidigt, und die anderen Mitbewohner lernen schnell, wo im Interesse der eigenen Gesundheit "betreten verboten" ist. Feste Grenzen scheint es bis auf eine Bannmeile im direkten UMfeld einer Behausung zwar nicht zugeben, die Krabben beginnen mit der Zeit immer dieselben Wege zu benutzen.
Je weniger Lebensraum den Tieren zur Verfügung steht, um so heftiger können sich Auseinandersetzungen um beliebte Verstecke gestalten . Ist genug Raum vorhanden, kann jeder sein eigenes Gebiet bewohnen und es wird kaum Probleme geben.

Weibliche Krabben scheinen ihre Behausungen öfter zu wechseln, doch die aktuelle Wohnung wird auch bewacht und notfalls verteidigt. Gerade auch zu Beginn kann es zu mehr oder weniger heftigen Streitereien führen,wenn es darum geht, wer wo wohnen darf.
Wer den Hauptwohnsitz betreten will, braucht eine spezielle Erlaubnis. Besucher sind in der Regel der aktuelle Partner. Unter den Weibchen scheint es gelegentlich zu freundschaftlichen Verbindungen zu kommen. Ein schüchternes Weibchen schliesst sich schon mal einer grösseren Krabbendame an.
 
Die männlichen Vertreter einer Krabbengesellschaft würden solche Vertraulichkeiten keineswegs dulden. Doch auch die Männchen akzeptieren auf 'neutralem Gelände' durchaus auch Geschlechtsgenossen; wobei die Stielaugen eine enorme Erleichterung sind, wenn es darum geht die andren Männchen in selbigen zu behalten.
Obwohl Mangrovenkrabben als nachtaktiv und dämmerungsaktiv gelten, sind sie phasenweise durchaus aus auch am Tage unterwegs.
Zwischendurch wird mal ein Nickerchen gemacht, oder man turnt an Land herum. Die Weibchen sind erfahrungsgemäss weniger zu sehen, sobald sie Eier tragen. Einige graben sich in dieser Zeit auch Erdhöhlen.
Erst am späten Nachmittag kommen sie allmählich heraus. Sie scheinen in dieser Zeit auch etwas aggressiver zu sein.

Für einige Zeit lebten auch in meinem Aquaterrarium nur zwei weibliche Krabben. Besonders die eine war noch sehr jung und sie hatte auch schon Einiges hinter sich. Wenn sie mal sichtbar waren, dann spät in der Nacht und nur kurz. Doch als ein Männchen, Hannibal, dazukam, änderte sich das Verhalten der Krabbendamen schlagartig. Sie kamen auch gelegentlich am Tage hervor und schienen insgesamt viel zutraulicher. Es scheint eindeutig, dass die Anwesenheit des männlichen Tieres diese Wandlung herbeigeführt hat. Umso mehr, als ich diese Situation nach einigen Jahren nach Hannibals Tod erneut hatte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in erster Linie die Dominanz eines Tieres abhängig von der Grösse und des Temperamentes und nicht vom Geschlecht ist. Die Männchen zeigen jedoch ein intensiveres Territorialverhalten. Doch sie brauchen die Einwilligung der Damen, wenn sie an ihnen interessiert sind. Manchmal müssen die Krabben auf Freierskrallen sich richtig was einfallen lassen um die Angebetete herum zu bekommen; etwa mit Geschenken. Chemische Signale werden mithilfe der kleinen braunen Ausscheidungen weitergegeben, die genaue Anwendung bei AUFZUCHT UND VERMEHRUNG
Da gibt es eine Art 'One Night Stand' kurz und heftig, und die Beziehung endet direkt nach der Paarung .
Ansonsten ist die Dauer der Beziehung abhängig von der Sympathie beider Partner für einander. Finden sich die richtigen, gibt es eine eine erstaunlich intensive, gefühlvolle Zweisamkeit, in der beide Partner gleichberechtigt scheinen.
Leider hat Hannibal, mein grosses Männchen, einige Beziehungen auch endgültig gelöst, indem er die Weibchen getötet hat. Die zuvorigen Warnungen wurden meist missachtet. Möglicherweise ein Verhalten, dass er in dem überfüllten Händlerbecken gelernt hat. Nach einigen Monaten des Alleinseins hat er dieses Verhalten völlig jedoch abgelegt und lebte wieder mit Weibchen zusammen.

In einem Becken mit 80cm Kantenlänge lassen sich möglicherweise dauerhaft zwei Männchen zusammen pflegen. Doch das scheint nur dann ohne Probleme realisierbar, wenn sie gemeinsam in noch jungen Jahren hier einziehen. Und ob sie als ausgewachsene Krabbenmänner mit einer möglichen Beinspanne von etwa 10cm ein Becken dieser Grösse als ausreichend empfinden, bleibt abzuwarten. Eine reich strukturierte Einrichtung mit mehreren qualitativ gleichwertigen Gelegenheiten das Wasser zu verlassen scheinen unabdingbar.

Einem 'Alleinherrscher ' ein weiteres Männchen gegenüberzustellen scheint nicht möglich. Zumindest bei mir nicht, spätetstens nach einem halben Jahr ist Ende und zwar richtig.
Leben sie jedoch von Anfang an zusammen ,lernen sie sich zu arrangieren und eine Hierarchie entsteht. Unterlegene Männchen snd ständig bemüht, ihre Stellung zu verbessern. Dazu muss es nicht grundsätzlich zum erntshaften Kampf kommen. Häufiger eingelegte Häutungen bei kleineren Männchen sorgen für bessere Chancen . Wird er tatsächlich genauso gross, oder auch grösser, kommt es vor, dass still und leise ohne Kampf die Plätze getauscht werden. Direkte Begegnungen sind von respektvollem Sicherheitsabstand geprägt und grösser Vorsicht.

Zu ernsthaften Kämpfen scheint es nur unter sehr ungünstigen Bedingungen zu kommen, wenn keine alternativen Optionen verfügbar sind: etwa bei Platzmangel . Kleinere Rangeleien und auch ausgeprägte Ringkämpfe sind als Machtdemonstrationen kein Grund zur Besorgnis, auch dann nicht, wenn gelegentlich mal ein Bein verloren geht. Das Sprachrepertoire der Krabben ist so vielseitig, dass es selten zu Missverständnissen kommt. Bedrohlich wirkende Scheinangriffe und Drohungen reichen da meist völlig aus.

Ganz kleine Männchen werden wohl auch einfach ignoriert, sie versuchen den Grossen aus dem Weg zu gehen oder sich unsichtbar zu verhalten. Kann gut gehen, muss aber nicht.

 

 
© by Annette Berkelmann
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